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Rückenprobleme – liegt’s an einer falschen Matratze? > Über anatomische Schwachpunkte des Rückenskeletts und das richtige Liegen





Der menschliche Rücken ist aus einer Vielzahl von Gründen empfindlich für Schmerzen oder Spannungen, jedoch auch für ernsthafte Verletzungen, die im schlimmsten Falle zu bleibenden Schäden führen können. Anders als der einheitliche Begriff „Rücken“ es vermuten lässt, handelt es sich anatomisch nicht um eine einheitliche Körperstruktur. So wird der hintere Abschnitt unseres Oberkörpers gebildet durch die doppel-S-förmig gebogene Wirbelsäule, das Kreuzbeingelenk, den hinteren Teil des Beckengürtels und durch Bestandteile des Schultergürtels. Rücken-, Nacken- und Gesäßmuskulatur sowie Schulter- und Hüftgelenke mit dazugehörigen Bändern und Sehnen tragen ebenfalls zum Schmerzempfinden des Rückens bei. Dabei werden wir mit zunehmendem Alter empfindlicher für Gelenk- und Bandscheibenprobleme.

Mit Rückenschmerz aufgewacht: Liegt's am Lattenrost oder der Matratze?! (© imageconcept_de / Fotolia)

Mit Rückenschmerz aufgewacht: Liegt’s am Lattenrost oder der Matratze?! (© imageconcept_de / Fotolia)

Wenn wir uns nicht gezielt um neuartige Bewegungsmuster, sowohl beim Liegen, Sitzen und Laufen bemühen, kann es geschehen, das die Ursachen für die Reizung der Schmerzsensoren im Rückenbereich chronisch wiederkehren.

Dabei ist das menschliche Skelett durch Evolution bestens an alle Belastungen angepasst, die zum biologisch notwendigen Verhaltensrepertoire des Homo sapiens gehören. Das abgeflachte Becken mit seinen prominenten Ansatzstellen für den großen und mittleren Gesäßmuskel ist in seiner Gestalt optimal für unsere zweibeinige Fortbewegung geeignet. Nur durch diese umfassenden evolutiven Umgestaltungen des Beckengürtels und der Wirbelsäule, auch der Beine einschließlich ihrer Gelenke, konnte eine Fortbewegungsweise, die noch bei unseren äffischen Vorfahren energetisch äußerst ineffizient war, zu einem durchschlagenden Erfolg werden.

Die elastische Biegsamkeit unserer Wirbelsäule ist wahrlich beeindruckend, insbesondere, wenn wir ihre Fähigkeit, Stöße abzufangen, berücksichtigen. Diese Fähigkeit ist nicht allein auf die Tatsache zurückzuführen, dass die knöcherne Längsstütze unseres Körpers eine doppelte Wölbung aufweist, sondern auch Folge des Feinaufbaus der Bandscheiben. Diese nämlich befinden sich im Bereich zwischen zwei Wirbelkörpern und besitzen einen zweiteiligen Aufbau: Faserring und Gallertkern.

Die Stoßfestigkeit, die der Wirbelsäule durch die Bandscheiben ermöglicht wird, ist schier unglaublich. Dennoch setzen gerade an ihnen häufig Probleme an, die diese Belastbarkeit des Rückgrats beeinträchtigen. Verrutscht aufgrund ungewöhnlicher Bewegungen, aber auch aufgrund des Materialverschleißes im Alter, der Gallertkern, geraten benachbarte Wirbelkörper in direkten Kontakt zueinander.

Im schlimmsten Falle kommt es zum Bandscheibenvorfall, was mit starken Schmerzen sowie einer körperlichen Unbeweglichkeit einhergeht. Sind die Bandscheiben geschädigt, ohne dass ein echter Bandscheibenvorfall vorliegt, ist ein operativer Eingriff nicht notwendig. Jedoch müssen Bewegungen des Oberkörpers besonders umsichtig ausgeführt werden. Insbesondere in Ruhepositionen, beim Sitzen oder Schlafen, besteht die Gefahr einer dauerhaften Fehlbelastung des Körpers, die die geschädigte Wirbelsäule nicht ent-, sondern zusätzlich belastet. Chronische Schmerzen mit Hexenschuss-Symptomatik können die Folge sein.

Rückenschmerzen von schlechtem Liegen?

Insbesondere im Schlaf neigen manche Menschen dazu, stundenlang bewegungslos in einer Körperstellung zu verharren, die unvorteilhaft ist und Druck auf das Rückgrat ausübt. Diese regelmäßige Fehlbelastung kann durch Orthopäden nur unzureichend behandelt werden. Daher ist es besonders wichtig, sich bewusst zu machen, dass eine geeignete Unterlage beim Schlafen sowie die richtige Körperhaltung in Ruheposition die beste Prophylaxe zur Verhinderung von Rückenschädigungen sind.

Während manch einer einfach in Studentenjahren die günstigste Matratze bei IKEA mitgenommen hat und diese auch noch 10 Jahre später nutzt, investieren andere höhere vierstellige Beträge in ihre Liegeunterlage. Weder das eine, noch das andere muss richtig oder falsch sein. Denn viel hängt davon ab, wie wir liegen und wie wir schlafen. Probeliegen ist eine gute Idee, was aber nicht zwangsläufig bedeutet, dass man seine Matratze nur im Geschäft vor Ort kaufen kann – im Gegenteil: Onlinehändler wie Dormando (www.dormando.de) bieten „Probeliegen“, sprich Rückgabegarantie für 100 Tage an. Damit kann man tatsächlich auch Probeschlafen, und nicht nur wie im Laden sich „mal kurz drauflegen“.

Dieser "Matratzenberater" fragt online verschiedene entscheidende Kriterien für die Wahl der richtigen Matratze ab: u.a. die typische persönliche Liege- und Schlafposition, das Körpergewicht und weitere individuelle Präferenzen (Screenshot www.dormando.de/service/matratzenberater.html am 28.12.2014)

Dieser „Matratzenberater“ fragt online verschiedene entscheidende Kriterien für die Wahl der richtigen Matratze ab: u.a. die typische persönliche Liege- und Schlafposition, das Körpergewicht und weitere individuelle Präferenzen (Screenshot www.dormando.de/service/matratzenberater.html am 28.12.2014)

Auch Beckengürtel kann Initiator von Rückenschmerzen sein

Doch es wurde bereits auf die anatomische Komplexität des menschlichen Rückens eingegangen. Diese hat zur Folge, dass mögliche Schwachpunkte unseres Rückenskeletts nicht allein in der Stoßfestigkeit der Wirbelsäule durch die Bandscheiben zu finden ist. Auch der Beckengürtel kann empfindlich auf Verrenkungen reagieren und die Schmerzsensoren so stark reizen, dass eine aufrechte Körperhaltung kaum mehr erreicht werden kann.

Bekanntlich besteht das Becken ja aus drei miteinander verbundenen Knochen, dem Darmbein, Sitzbein und Schambein. Die Verbindungen sind jedoch nicht ganz starr. So sind die Schambeine durch die sogenannte Schambeinfuge miteinander verbunden, die die Knochen gegeneinander leicht beweglich erhält. Wie auch zur Federung der Wirbelkörper befindet sich im Bereich der Symphysis pubica, so heißt die Fuge in der Wissenschaftssprache, eine Bandscheibe.

Ungeschickte und ruckartige Seitwärts-Bewegungen können zu einer Verrenkung in diesem Bereich führen. Meist stellt der Orthopäde keine bleibenden Schäden fest, so dass es keiner Behandlung bedarf. Der Bereich ist jedoch sehr sensibel innerviert und kann noch Wochenlang Schmerzen aussenden. Als Schmerzmittel wird in solchen Fällen meist der Wirkstoff Diclofenac oder eine vergleichbare Alternative verschrieben.

Auch in einem solchen Falle ist eine kontrollierte Körperhaltung in allen Lebenslagen von großer Bedeutung. Besonders wichtig ist jedoch auch hier wieder die Schlafphase. Es muss für eine entlastende Körperhaltung gesorgt werden. Außerdem sollte eine individuell geeignete Matratze ausgewählt werden.

Auch angeborene Schäden im Bereich des Rückenskeletts können mit zunehmendem Alter chronische Schmerzen verursachen. Ein Beispiel hierfür ist eine Wirbelsäulenverkrümmung. Betroffene Menschen lernen früh, ihre Körperhaltung, schlafend ebenso wie in aufrechter Position, so entlastend wie möglich zu gestalten. Das genügt in solchem Falle jedoch nicht. Die knöcherne Fehlstellung kann nur durch entsprechend gestärkte Muskulatur korrigiert werden, zumindest ist das so in minder starken Fällen einer Verkrümmung. Krafttraining, insbesondere die Vergrößerung der Rückenmuskulatur können hier zu erheblichen Erfolgen führen.

Es gilt auch allgemein, dass gleichmäßig gestärkte Rückenmuskulatur pathologische Erscheinungen mit Schmerzempfinden unterdrücken oder sogar verhindern kann. Das gilt bis hoch zum Nacken und den nervigen Nackenschmerzen. Jedoch sollte beim Muskel-Training darauf geachtet werden, dass eine dafür kompetente Person einen speziellen Trainingsplan ausarbeitet, der unkundige Fehlbelastungen ausschließen kann.

Statistik: Verbreitung von Rückenschmerzen in der deutschen Bevölkerung (Quelle: STATISTA / Robert Koch-Institut)

Statistik: Verbreitung von Rückenschmerzen in der deutschen Bevölkerung (Quelle: STATISTA / Robert Koch-Institut)

Die richtige Matratze bei Rückenproblemen finden

Es wurde bereits darauf hingewiesen, dass man beträchtliche Zeit seines Lebens in liegender Position verbringt. Die richtige Ruheposition ist dabei ebenso wichtig wie die passende Unterlage. Schließlich geht es darum, das Aufkommen von Rückenprobleme zu verhindern oder bestehende Schmerzen zu lindern.

Bei der Wahl der richtigen Matratze können nur begrenzt allgemeingültigen Ratschläge erteilt werden, da es individuell verschieden ist, welche Unterlage sich für den Betroffenen am besten eignet.

Zu berücksichtigen sind dabei die bisherigen Schlafgewohnheiten, also die Körperhaltung, die über Nacht automatisch eingenommen wird. So kann man grob solche Personen voneinander unterscheiden, die bevorzugt auf der rechten Seite oder eben auf der entgegengesetzten Seite schlafen. Manche liegen ausschließlich auf dem Rücken, andere nur auf dem Bauch (Seitenschläfer vs. Rückenschläfer vs. Bauchschläfer).

Schließlich ist die Beweglichkeit im Schlaf in die Überlegungen zum Matratzenkauf mit einzubeziehen. Wer sich im Schlaf wenig bewegt, muss erheblich besser ausgepolstert sein als jemand, der zu seichtem Schlaf neigt und häufig die Liegestellung wechselt.

Das Zusammenspiel von Stützen und Nachgeben (© germina / Fotolia)

Das Zusammenspiel von Stützen und Nachgeben (© germina / Fotolia)

Auch die Ursache der eventuell auftretenden Rückenschmerzen ist relevant für die Entscheidung zum Kauf der besten Unterlage. Allgemein gilt, dass die Matratze nicht allzu weich sein sollte, so dass die schwereren Körperpartien zu stark in die Tiefe hinab sinken, was eine körperliche Fehlhaltung zur Folge hat. Zu hart darf die Matratze auch nicht sein, da dies der menschlichen Anatomie ebenfalls nicht angemessen wäre.

Schaumstoffmatratzen mit verschiedenen Polsterungen können in unterschiedlichen Preisklassen erworben werden und erfüllen die meisten Ansprüche von mit Rückenschmerzen geplagten Menschen.

Wer äußerst empfindlich ist und keine Experimente wagen möchte, ist eventuell mit einem Wasser- oder einem Luftbett gut beraten. Beide passen sich dem Körper individuell und automatisch an. Die richtige Körperhaltung darf dabei jedoch nicht durch ein falsch platziertes oder zu hohes Kopfkissen gestört werden.

Statistik: Was unternehmen Bürger bei chronischen Rückenschmerzen? - Die Rolle des Schlafens, der richtigen Liegeposition und einer geeigneten Liegeunterlage ist den meisten scheinbar nicht bewusst - hier müssen Matratzenstudios und Matratzenhersteller wohl noch einiges an Aufklärungsarbeit leisten (Quelle: STATISTA / YouGovPsychonomics)

Statistik: Was unternehmen Bürger bei chronischen Rückenschmerzen? – Die Rolle des Schlafens, der richtigen Liegeposition und einer geeigneten Liegeunterlage ist den meisten scheinbar nicht bewusst – hier müssen Matratzenstudios und Matratzenhersteller wohl noch einiges an Aufklärungsarbeit leisten (Quelle: STATISTA / YouGovPsychonomics)

YOUTUBE: Eine richtig gute Matratze nützt nur bedingt etwas, wenn der Lattenrost dazu nicht „mitarbeitet“ – auch hier kann man viel Geld lassen, seinem Rücken aber auch viel Gutes tun
(www.youtube.com/watch?v=vYL93j88Nsw)