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Angststörungen: Psychotherapie vs. Medikamente




Die Angststörung in Abgrenzung zum gelegentlichen Ängstigen > Angsterkrankungen stellen häufig vorkommende psychische Störungen dar, die zumeist plötzlich in das Leben eines Menschen treten. Gelegentliches Ängstigen stellt jedoch noch keine Erkrankung dar, behindert den Alltag nur unwesentlich und ist als vollkommen normal einzustufen. Schließlich ist die Angst ein evolutionär bedingter Schutz vor Gefahren und Unvorsichtigkeiten. Man spricht erst dann von einer Angststörung, wenn es in bestimmten Situationen zu einer übertriebenen und unangemessenen Angstreaktion kommt, die in dem Moment des Angsterlebens und darüber hinaus mit starken körperlichen Beschwerden verbunden sein kann. Die Beschwerden können das alltägliche Leben dabei so stark einschränken, dass Betroffene z.B. die Wohnung nicht mehr verlassen. Es besteht spätestens dann Handlungsbedarf.

YOUTUBE: Deutsche Welle TV > Angststörungen | Fit & gesund – Interview
Kurzes und informatives Gespräch über Angststörungen… (www.youtube.com/watch?v=1pp8cvuxA9U)

Die Möglichkeiten und Grenzen medikamentöser Behandlung

Bei Angsterkrankungen besteht die Möglichkeit, bestimmte Psychopharmaka wie z.B. antidepressive Wirkstoffe zu verabreichen, die zu einer Lösung der Angst- und Spannungszustände führen. Als Wirkstoffe stehen hierzu beispielsweise Citalopram, Bromazepam und Venlafaxin zur Verfügung.

  • Citalopram ist ein sogenannter Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, der die Konzentration von Serotonin – das als Glückshormon schlechthin gilt – im Gehirn erhöht, indem die Wiederaufnahme von Serotonin in die präsynaptische Endigung einer Synapse verhindert wird. Von der Erhöhung des Serotoningehalts im Gehirn verspricht man sich dabei, Depressionen und Angststörungen mindern zu können.
  • Bromazepam gehört demgegenüber zu den Tranquilizern, also Beruhigungsmitteln, und kann abhängig machen. Es dockt an bestimmte Rezeptoren im Hirn an und verstärkt die hemmende Wirkung des Neurotransmitters GABA (Gamma-Amino-Buttersäure), wodurch Angst- und Spannungszustände gelöst werden.

Citalopram und Bromazepam wirken also auf unterschiedliche Weise im Gehirn. Während mit Citalopram eine generelle Stimmungsaufhellung durch Erhöhung der Serotoninkonzentration erreicht werden soll, versucht man mit Bromazepam, Angstzustände durch Hemmung bestimmter Nerven abzuwehren. Bromazepam kann in diesem Fall als „Feuerlöscher“ bezeichnet werden, also als ein Medikament für den Akutfall.

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Behandlung von Angststörungen mit Medikamenten / Arzneimitteln

Es besteht also die Möglichkeit, Angststörung durch Medikamente zu behandeln. Hierbei sollten jedoch zwei Dinge berücksichtigt werden: Zunächst einmal birgt die Einnahme von Medikamenten immer das Risiko von Nebenwirkungen.

Die häufigsten Nebenwirkungen bei der Behandlung von Angsterkrankungen mit Antidepressiva & Co sind Beeinträchtigungen des Magen-Darm-Traktes (Übelkeit, Durchfall, Erbrechen), Müdigkeit, Schwindel, Libidoverlust und Gewichtszunahme. Bei dem Medikament Bromazepam besteht zudem die Möglichkeit der Abhängigkeit.

Weiterhin sollte (neben einer medikamentösen Behandlung) auch immer eine psychotherapeutische Behandlung durchgeführt werden, um der Ursache der Angststörung auf den Grund zu gehen. Sicherlich können Medikamente die Symptome lindern und das Befinden verbessern, die Auseinandersetzung mit den eigenen Ängsten und inneren Konflikten übernehmen sie aber nicht. Sie dienen dazu, den Einstieg in eine Therapie zu ermöglichen bzw. therapiebegleitend eingesetzt zu werden.

Was vor der eigentlichen psychotherapeutischen Behandlung geklärt werden sollte

Bevor die eigentliche psychotherapeutische Behandlung beginnt, muss zunächst geklärt werden, um welche Form von Angststörung es sich handelt. Daneben sollten Untersuchungen durchgeführt werden, die körperliche Ursachen für die Angststörung – etwa eine Schilddrüsenüberfunktion – ausschließen.

Im Gespräch wird versucht, die Wurzel der Erkrankung zu ergründen. Angststörungen treten zwar meist plötzlich auf, sie haben aber in der Regel eine Vorgeschichte. Einige Patienten berichten davon, dass sie sich vor einer Sache oder einem konkreten Gegenstand immer mal wieder (leicht) gefürchtet hätten, sich in einer Stresssituation die Angst vor dieser Sache oder diesem Gegenstand dann aber potenziert und auf andere Bereiche übertragen habe – ein Teufelskreis. Die Angst vor einem Ohnmachtsanfall in der Öffentlichkeit führte dazu, dass erst nicht mehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren, dann nicht mehr unter Leute gegangen, im Endeffekt die eigene Wohnung nicht mehr verlassen wurde.

Ferner sollten akute Stressoren ausfindig gemacht werden, die die Angststörung begünstigt haben könnten – der Todesfall eines Nahestehenden, Prüfungssituationen, Streitigkeiten etc.

Angststörung, Phobie, Angsterkrankung, Panik: Viele Begrifflichkeiten für Angstzustände in unserer Psyche (© fotodo / Fotolia)

Angststörung, Phobie, Angsterkrankung, Panik: Viele Begrifflichkeiten für Angstzustände in unserer Psyche
(© fotodo / Fotolia)

Psychotherapie: Konfrontationstraining und Stressreduzierung

Zur Psychotherapie gehört dazu, mit dem Gegenstand der Angst konfrontiert zu werden. Wenn man vor etwas Angst hat (z.B. einem Löwen in freier Wildbahn), dann versucht man zu vermeiden, Löwen in freier Wildbahn zu begegnen, um nicht gefressen zu werden. Dies ist eine absolut natürliche und hilfreiche Reaktion. Hat man jedoch Angst davor, aus der Wohnung zu gehen (bzw. sich in Menschenmengen zu bewegen), mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren, Spinnen zu begegnen oder an bestimmten Krankheiten zu erkranken, so ist dies nicht ansatzweise hilfreich, sondern schränkt das Alltagsleben des Betroffenen erheblich ein. Beim Konfrontationstraining wird nun schrittweise versucht, den Betroffenen an die ängstigende Situation heranzuführen und ihm die Angst zu nehmen. Daneben werden Entspannungstechniken eingeübt, etwa die progressive Muskelentspannung, welche in Situationen der Anspannung hilfreich sein können.

Fazit

Wichtige Stichworte bei der Behandlung von Angststörungen sind Entspannung, Stressreduzierung und Konfrontationstraining. Zunächst kann die Reduzierung der Angst und Anspannung mittels medikamentöser Behandlung durch Psychopharmaka erfolgen. Daneben ist der Einstieg in eine Psychotherapie anzuraten, um die Ursache der Angst zu ergründen, die Angststörung zu bewältigen und in Zukunft besser mit Angst- und Stresssituationen umgehen zu können.

Statistiken zum Thema

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Statistik: Häufigkeit der Einnahme von Psychopharmaka bei Männern nach Berufsgruppen in Deutschland 2009 (Quelle: STATISTA / BKK Bundesverband)

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Statistik: Häufigkeit der Einnahme von Psychopharmaka bei Frauen nach Berufsgruppen in Deutschland 2009 (Quelle: STATISTA / BKK Bundesverband)

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Statistik: Depressionen - Medikamentöse Therapieverfahren nach Krankenhaustyp > Die vorliegende Statistik zeigt die Ergebnisse einer Vollerhebung unter deutschen psychiatrischen Fachkrankenhäusern und Allgemeinkrankenhäusern mit psychiatrischer oder psychosomatischer Fachabteilung aus dem Jahr 2012. Unter „Psychiatrische Fachkrankenhäuser“ fallen Krankenhäuser mit ausschließlich psychiatrischen, psychotherapeutischen oder psychiatrischen, psychotherapeutischen und neurologischen Betten. Ihnen werden die „Allgemeinkrankenhäuser“ gegenüber gestellt, die neben den somatischen Bereichen auch psychiatrische, psychotherapeutische oder psychosomatische Fachabteilungen vorhalten. Gefragt wurde nach den eingesetzten medizinisch-medikamentösen Therapieverfahren bei Patienten mit Depressionen. 87,1 der psychologischen Fachkrankenhäuser führten standardmäßig eine Psychopharmakotherapie durch. (Quelle: STATISTA / Deutsches Krankenhausinstitut e.V.)

Statistik: Depressionen – Medikamentöse Therapieverfahren nach Krankenhaustyp > Die vorliegende Statistik zeigt die Ergebnisse einer Vollerhebung unter deutschen psychiatrischen Fachkrankenhäusern und Allgemein-Krankenhäusern mit psychiatrischer oder psychosomatischer Fachabteilung aus dem Jahr 2012. Unter „Psychiatrische Fachkrankenhäuser“ fallen Krankenhäuser mit ausschließlich psychiatrischen, psychotherapeutischen oder psychiatrischen, psychotherapeutischen und neurologischen Betten. Ihnen werden die „Allgemeinkrankenhäuser“ gegenüber gestellt, die neben den somatischen Bereichen auch psychiatrische, psychotherapeutische oder psychosomatische Fachabteilungen vorhalten. Gefragt wurde nach den eingesetzten medizinisch-medikamentösen Therapieverfahren bei Patienten mit Depressionen. 87,1 der psychologischen Fachkrankenhäuser führten standardmäßig eine Psychopharmakotherapie durch. (Quelle: STATISTA / Deutsches Krankenhausinstitut e.V.)

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(www.youtube.com/watch?v=PytkcXGThzs)