Wissenswertes zu Ihrer Gesundheit

Antirheumatika: Was man über Mittel gegen Rheuma-Erkrankungen wissen sollte




Rheumaerkrankungen sind vielfältig. Sie werden in die folgenden vier Hauptgruppen eingeteilt:

  1. entzündlich-rheumatische Erkrankungen wie Arthritis,
  2. degenerative Gelenks- und Wirbelsäuleerkrankungen wie Arthrose,
  3. Weichteilrheumatismus wie Fibromyalgie und
  4. Stoffwechselerkrankungen mit rheumatischen Beschwerden wie Gicht.

Bis heute ist die medikamentöse Behandlung bei all diesen Erkrankungen des rheumatischen Formkreises die Therapieform der Wahl. Behandlungen über eine Änderung von Lebensstil oder Ernährungsgewohnheiten kommt allenfalls eine unterstützende Funktion zu.

Antirheumatika/Antiphlogistika - Verordnungsmenge der häufigsten Produkte > Am häufigsten verordnete nichtsteroideale Antirheumatika/Antiphlogistika* in Deutschland im Jahr 2010 (in Millionen DDD) - Quelle: © STATISTA

Antirheumatika/Antiphlogistika – Verordnungsmenge der häufigsten Produkte > Am häufigsten verordnete nichtsteroideale Antirheumatika/Antiphlogistika* in Deutschland im Jahr 2010 (in Millionen DDD) – Quelle: © STATISTA

Steroidale und nicht-steroidale Antirheumatika

Antirheumatika – also Mittel gegen Rheumaerkrankungen – unterteilen sich in steroidale und nicht-steroidale Antirheumatika. Weiterhin werden in der medikamentösen Rheumatherapie nicht-opioide und opioide Analgetika eingesetzt, die die dauerhafte Basistherapie mit langsamwirkenden Antirheumatika, den sogenannten Second-Line-Medikamenten, unterstützen. Häufig ist eine Kombination von Second- und First-Line-Medikamenten wie (Analgetika, nichtsteroidalen und steroidale Antirheumatika) notwendig.

Steroidale Antirheumatika zählen zu der Gruppe der Kortikosteroide, kurz: Kortikoide, und ahmen die Wirkung des körpereigenen Hormons Kortisol sowie seiner Vorstufe Kortison nach. Kortisol wirkt entzündungshemmend und allgemein dämpfend auf das überschießende Immunsystem. Nach wie vor ist es bei der rheumatoide Arthritis aufgrund dieser Eigenschaften unverzichtbar. Jedoch sind steroidale Antirheumatika lediglich in der Lage, die Symptome zu dämpfen, nicht jedoch deren Ursachen zu beseitigen. Im Unterdrücken der Symptome allerdings erweisen sie sich als unerreicht in ihrer Wirksamkeit.

Moderne Kortison-Therapie

Die neue Generation von Kortisonmedikamenten hat weitaus geringere Nebenwirkungen als ihre Vorgänger, sodass Angst vor der Kortisontherapie unangebracht ist. Dennoch sollte ihr mit Respekt begegnet werden. Zu den möglichen Nebenwirkungen insbesondere einer länger dauernden Therapie mit steroidalen Antirheumatika zählen ein erhöhtes Infektionsrisiko, erhöhte Blutzuckerwerte (sogenannte Kortison-Diabetes), Bluthochdruck und Wassereinlagerung sowie Osteoporose. Eine salzarme Ernährung und die Einnahme von Vitamin D sowie Kalzium während der Therapie können hier gegensteuern.

Auch Muskelschwäche und grüner Star können unter Kortisoneinwirkung auftreten, ebenso die charakteristischen Hautveränderungen wie eine dünn werdende „Papierhaut“, Streifenbildung oder Akne. Gewichtzunahme, Stammfettsucht und das typische Vollmondgesicht sind ebenfalls auf Kortisonnebenwirkungen zurückzuführen.

Ein weiteres Problem, welches bei der Langzeittherapie mit Kortison auftreten kann, ist das Versiegen der körpereigenen Kortisol-Produktion. Abhilfe schafft hier das sogenannte „Ausschleichen“ der Medikamente – Kortison darf nie abrupt abgesetzt werden. Um die unerwünschten Nebenwirkungen in Grenzen zu halten, gilt bei der Kortisontherapie die Faustformel: So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Der Therapiestart sollte hoch dosiert beginnen, um einen raschen Wirkungseintritt zu erreichen. Danach wird empfohlen, die Dosis langsam zu verringern – ein allzu schnelles Herabsetzen könnte die Krankheitssymptome zum Wiederaufflammen bringen und mit der Therapie müsste von vorn begonnen werden.

Eine Langzeittherapie sollte mit der niedrigst möglichen Dosis an steroidalen Antirheumatika arbeiten. Schließlich muss das Kortison aus dem Körper „ausgeschlichen“ werden, um das lebensgefährliche Kortisol-Entzugssyndrom zu vermeiden.

Ist eine Kortisontherapie nicht notwendig, können rheumatische Erkrankungen mit nicht-steroidalen Antirheumatika behandelt werden. Diese gegen Muskel- und Gelenkschmerzen wirkende Medikamente enthalten kein Kortison, wirken aber dennoch schmerzlindernd und entzündungshemmend. Die Vorteile der nicht-steroidalen Antirheumatika liegen vor allen im schnellen Einsetzen ihrer Wirkung. Schon dreißig bis sechzig Minuten nach Einnahme lindern sie effektiv Schmerzen und hemmen erfolgreich Entzündungen. Manche nicht-steroidalen Antirheumatika wie Aspirin oder Ibuprofen sind sogar rezeptfrei in jeder Apotheke erhältlich.

Nicht-steroidale Antirheumatika sind nicht in der Lage, den Krankheitsverlauf zu beeinflussen oder die Gelenkzerstörung bei chronisch-rheumatischen Erkrankungen aufzuhalten. Auch sie lindern nur Symptome, noch dazu hält ihre Wirkung nur wenige Stunden an, sodass sie in regelmäßigen Abständen erneut eingenommen werden müssen. Nebenwirkungen der nicht-steroidale n Antirheumatika betreffen in erster Linie den Magen-Darm-Trakt – besonders, wenn sie unkontrolliert miteinander kombiniert werden. Von einer Selbstmedikation sollte hier Abstand genommen werden, denn die Tatsache, dass ein Medikament frei verkäuflich ist, heißt noch lange nicht, dass seine Einnahme völlig risikofrei ist.