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Auslandsrückholung / Repatriierung: Krankenrücktransport aus dem Ausland per Ambulanzflug & Co.




Krankenrücktransport aus dem Ausland

Leider kann es auch auf Reisen und bei Auslandsaufenthalten zu schweren Erkrankungen und Unfällen mit komplexen Verletzungen kommen. Manchmal ist es dann erforderlich oder zumindest gewünscht, den Erkrankten / Verletzten so schnell wie möglich nach Hause zu holen. Bei komplizierten medizinischen Fällen ist die bestmögliche Versorgung in Deutschland oftmals besser gegeben. Doch je nach Gesundheitszustand ist an eine „normale“ Rückreise oft nicht zu denken. Ein Krankenrücktransport per Ambulanzflugzeug ist möglich, aber sehr kostspielig. – Lesen Sie in diesem Artikel, ob und wie die Kostenübernahme durch (welche) Versicherungen im Ernstfall erfolgt, und was es zu wissen gibt.

Auslandsrückholung: Die Repatriierung durch einen Rückholdienst per Ambulanzflug ist teuer und wird von Versicherungen oft nur gedeckt, wenn die Rückholung aus dem Ausland "medizinisch notwendig" ist. Bessere Versicherungstarife zahlen bereits, wenn der Krankenrücktransport "medizinisch sinnvoll" ist. (© sudok1 / Fotolia)

Auslandsrückholung: Die Repatriierung durch einen Rückholdienst per Ambulanzflug ist teuer und wird von Versicherungen oft nur gedeckt, wenn die Rückholung aus dem Ausland „medizinisch notwendig“ ist. Bessere Versicherungstarife zahlen bereits, wenn der Krankenrücktransport „medizinisch sinnvoll“ ist. (© sudok1 / Fotolia)

Was versteht man unter einer Auslandsrückholung?

Die Auslandsrückholung bezeichnet den Heimattransport eines Kranken oder Verletzten in einer medizinischen Notlage (auch Repatriierung). Die kranke oder verletzte Person wird im Zuge des Rücktransports am gegenwärtigen Aufenthaltsort abgeholt und via Ambulanzflug o.ä. in das Heimatland zurückgebracht, um dort die Heilbehandlung fortzuführen.

Im besten Falle übernimmt eine Auslandskrankenversicherung die Kosten für die Auslandsrückholung. Daher wird im Vorfeld einer größeren Reise oftmals eine zusätzliche Versicherung zur regulären Krankenversicherung abgeschlossen.

Wie ist die Auslandsrückholung / Repatriierung definiert?

Als Krankenrücktransport gilt jede Heimreise, die aus Krankheitsgründen angetreten wird und bei der spezielle medizinische Vorkehrungen notwendig ist. So kann es sich bei diesen Vorkehrungen um die Bereitstellung von Sauerstoff, einen zusätzlichen Sitz im Flugzeug oder den Einsatz von Spezialfahrzeugen wie Krankenwagen oder Helikopter handeln. Organisiert und abgewickelt wird dies in der Regel durch weltweit tätige Dienstleister, die sich auf Auslandsrückholung spezialisiert haben (Ambulanzflug-Zentrale, DRK u.a.).

Wovon hängt eine Rückholung aus dem Ausland ab?

Im Vorfeld einer Rückholung wird abgewogen, ob der Einsatz einen Nutzen für den Patienten hat bzw. wie sich das Verhältnis zwischen Kosten und Nutzen darstellt. Es gibt mehrere Faktoren, die bei der Entscheidungsfindung mit einbezogen werden. Folgende Fragen stehen z.B. am Anfang eines Einsatzes: Sind die Ärzte vor Ort gut ausgebildet? Bringen sie das nötige Fachwissen mit? Wie ist es um Infrastruktur, medizinische Ausstattung, Know-How und Sauberkeit bestellt? Gibt es Kommunikationsprobleme zwischen dem Patienten und dem Krankenhauspersonal? Benötigt der Patient seelischen Beistand bzw. könnte die Anwesenheit von Angehörigen die Genesung begünstigen? Ist der Einsatz medizinisch notwendig?

Die verschiedenen Faktoren im Überblick:

  • Einfluss sozialer Kontakte
  • Qualität der Verständigung
  • Qualität der medizinischen Einrichtungen vor Ort
  • Qualität des Personals
  • Ist die Repatriierung durch den Rückholdienst medizinisch notwendig?

Wann ist eine Rückholung aus dem Ausland durch einen Rückholdienst notwendig?

Der Krankenrücktransport via Flugdienst ist vor allen Dingen dann notwendig, wenn eine sinnvolle, zielführende Behandlung am gegenwärtigen Aufenthaltsort nicht gewährleistet werden kann. Immer mehr Menschen reisen auch in Länder, in denen die medizinische Versorgung nicht modernen Standards entspricht. Dann ist es bei schwereren Erkrankungen / Verletzungen oftmals nicht „angenehm“, sondern „sinnvoll“ bis tatsächlich dringend „nötig“, Patienten in die Heimat zurückzuführen. Hier kann der Symptomatik mit den bestmöglichen Maßnahmen begegnet werden, um Folgeschäden zu vermeiden, die andernfalls vielleicht durch die Behandlung im Ausland aufgetreten wären.

Noch wichtiger ist die Repatriierung natürlich, wenn eine besondere Notlage vorliegt. Bei potenziell lebensgefährlichen Beschwerden entscheidet eine Repatriierung im Zweifelsfall über Leben und Tod. Vor Ort müssen die notwendigen Maßnahmen durchgeführt werden, um die akute Lebensgefahr auszuschließen. Im Anschluss kann eine zügige Verlegung ins Heimatland erfolgen (z.B. via Ambulanzflug). Hier werden Krankheit und Verletzung mit modernen Mitteln behandelt und im besten Fall geheilt.

Rückholung aus dem Ausland per Ambulanzflug: spezialisierte Rückholdienste sind darauf trainiert, schwer verletzte Patienten unter Gewährleistung fortlaufender medizinischer Versorgung ins Heimatland zu holen. (© Roman Bilz / Fotolia)

Rückholung aus dem Ausland per Ambulanzflug: spezialisierte Rückholdienste sind darauf trainiert, schwer verletzte Patienten unter Gewährleistung fortlaufender medizinischer Versorgung ins Heimatland zu holen. (© Roman Bilz / Fotolia)

Bei welchen Erkrankungen und Verletzungen ist eine Repatriierung üblich?

Es gibt keine einheitlichen Regeln, wann die Repatriierung per Flugdienst eingeleitet wird. Das hängt sicherlich davon ab, wie sinnvoll oder notwendig die Rückholung aus dem Ausland eingeschätzt wird, und ob man einen Kostenübernahme-Träger hat.

Wer eine gut dimensionierte private Krankenvollversicherung hat (einen Premium-PKV-Tarif) inklusive Kostenübernahme medizinisch sinnvoller Rücktransporte, der wird natürlich schnell(er) einen solchen Ambulanz-Heimflug anstreben. Wer den Rückholdienst vom eigenen Ersparten bezahlen und sich damit ggf. noch verschulden muss, der wird den Krankenrückflug vermutlich erst antreten, wenn dies medizinisch absolut notwendig / unabwendbar ist. Denn die Kosten können unter Umständen schon gut fünfstellig sein.

Manche Betroffene, die zwar keine PKV-Vollversicherung oder entsprechene Auslandsreisekrankenversicherung haben, haben mit etwas Glück einen anderen Joker: Ihre Kreditkarte! In einigen Fällen sind in Kreditkarten nämlich Versicherungs- und Assistance-Pakete als Zusatzleistung enthalten, die im Ernstfall entsprechende Kosten für eine medizinische Flugbegleitung auffangen. – Was da genau abgedeckt ist, will aber sorgfältig geprüft sein: Die genauen Rahmenbedingungen des Rücktransports findet man normalerweise im Versicherungsvertrag. Das Versicherungsunternehmen schildert an dieser Stelle, wann es einen Rücktransport aus dem Ausland für notwendig hält und in welchem Fall es die Kosten nicht übernimmt.

Eine Besonderheit der Auslandsrückholung stellt der Intensivtransport dar. In diesem Fall muss der Patient rund um die Uhr bewacht und gepflegt werden. In der Regel wird für Härtefälle ein Ambulanzjet eingesetzt. Dieser verfügt über ein umfangreiches medizinisches Repertoire und eigens für den Ernstfall geschultes Personal.

Wie läuft eine Rückholung durch einen Rückholdienst idealtypisch ab?

Im Normalfall ist davon auszugehen, dass der Patient sich bereits in einem ausländischen Krankenhaus befindet. Dort wird er mit einem Krankenfahrzeug abgeholt und je nach Einzelfall zu einem Ambulanzflugzeug (schwere Erkrankungen und Notfälle) oder einem Linienflugzeug (leichtere Erkrankungen und Verletzungen) gebracht. Mit dem Flugzeug geht es via Ambulanzflug ins Heimatland, wo bereits ein Krankenwagen für den Transport bereit steht. Der Krankenwagen transportiert den Patienten weiter in ein naheliegendes Krankenhaus, wo umgehend mit der Behandlung begonnen wird. Mit der Anmeldung im Krankenhaus ist die Rückholung aus dem Ausland und Begleitung durch den Flugdienst abgeschlossen.

Eine Veranschaulichung zum Thema Ambulanzflug durch einen Rückholdienst finden Sie unter anderem in diesem Youtube Video. Der Ablauf ist bei den meisten Anbietern ähnlich, ob DRK oder Ambulanzflug-Zentrale oder andere globale Assistance-Dienstleister.

Reiseschutz: Wer übernimmt die Rechnung?

In Deutschland werden die Kosten für eine Rückholung aus dem Nicht-Schengen-Ausland nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Außerhalb der europäischen Schengen-Staaten sind die gesetzlichen Krankenkassen nicht verpflichtet, etwaige Unkosten zu begleichen. Diese Praxis basiert auf einem gerichtlichen Urteil, das den Antritt einer Reise mit dem Vorhandensein finanzieller Ressourcen zur Bezahlung von Rückholaktionen gleichsetzt. Das mag zweifelhaft erscheinen, ist jedoch – Stand jetzt – leider die juristische Sachlage.

Viele Menschen entscheiden sich deshalb dafür, vor der Reise eine Reiseversicherung abzuschließen. Viele private Krankenversicherungen bieten diesen Service an. In der Regel wird ein Fixbetrag pro Tag gezahlt (bei den günstigen Alternativen etwas mehr als ein Euro pro Tag). Optional können Reisende auch direkt eine Reiseversicherung bei einer der Rettungsorganisationen der Repatriierung abschließen.

Die Stiftung Warentest weist darauf hin, dass z.B. in Bezug auf Krankenrücktransport aus dem Ausland viele Reiseversicherungen aus dem Leistungsbestandteil von Kreditkarten nicht ausreichend sind, und eine "richtige" Auslandsreisekrankenversicherung oft die bessere Wahl ist, um z.B. nicht nur einen medizinisch notwendigen Rücktransport bezahlt zu bekommen, sondern auch medizinisch sinnvolle Rückführungen (test.de)

Die Stiftung Warentest weist darauf hin, dass z.B. in Bezug auf Krankenrücktransport aus dem Ausland viele Reiseversicherungen aus dem Leistungsbestandteil von Kreditkarten nicht ausreichend sind, und eine „richtige“ Auslandsreisekrankenversicherung oft die bessere Wahl ist, um z.B. nicht nur einen medizinisch notwendigen Rücktransport bezahlt zu bekommen, sondern auch medizinisch sinnvolle Rückführungen (test.de)

Was für Risiken bringt der Krankentransport mit sich?

Selbstverständlich muss einer Auslandsrückholung per Krankentransport sorgfältig kalkuliert werden. In medizinischen Notfällen kann es beispielsweise ratsam sein, die Erstversorgung im Reiseland vorzunehmen und den Patienten erst einmal zu stabilisieren. Andernfalls besteht das Risiko, dass die Erkrankung durch den Transport und die begleitenden Strapazen verschärft wird. Außerdem ist es unverzichtbar, dass der Patient auch während des Rücktransports (z.B. auf einem Ambulanzflug) gewissenhaft und kompetent behandelt wird. Deshalb müssen die Transportvehikel und Rettungskräfte auf alles vorbereitet sein.

Sind Reisekrankenversicherung und Rückholung aus dem Ausland sinnvoll?

Sparfüchse stellen sich natürlich vor einer Reise die Frage: Braucht man eigentlich eine Reisekrankenversicherung / Auslandskrankenversicherung mit Krankenrücktransport aus dem Ausland? Oder kann man sich das Geld getrost sparen – in der Annahme oder Hoffnung, nie einen Rückholdienst für das Repatriieren in Anspruch nehmen zu müssen?

Die Antwort ist eindeutig. Ja, eine Auslandskrankenversicherung ist – so spießig es auch klingen mag – ein Muss für jede längere Reise ins Ausland. Die wenigsten Menschen stellen sich die Frage, ob eine Krankenversicherung im Inland notwendig ist. Warum sollten für das Ausland andere Voraussetzungen gelten, insbesondere wenn man in ein exotisches Land reist, das vielleicht ganz andere Gefahren bereithält als das eigene Land? Und dazu noch ggf. schlechtere medizinische Versorgung?!

Daher ist es wichtig, sich im Vorfeld der Reise über die verschiedenen Anbieter zu informieren: Wer bringt mich wie bei welcher Symptomatik aus dem Ausland nach Hause? Holen Sie jegliche Informationen ein, die Ihnen bei der Entscheidungsfindung helfen können! – Denn mit einem ausreichend dimensionerten Reiseschutz reist es sich gleich viel entspannter. Vom den Vorteilen im Ernstfall ganz zu schweigen…

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