Wissenswertes zu Ihrer Gesundheit

HIV Schnelltests – Anwendung, Sicherheit und Kosten




Das Human Immundefizienz Virus (HIV) ist unter der Weltbevölkerung in breiter Masse vertreten. Dabei handelt es sich um einen Vertreter der Retroviren, die nach der Infektion jahrelang ohne Auftreten von Symptomen im menschlichen Körper bestehen können, jedoch nach einer gewissen Inkubationszeit zu AIDS (acquired immunodefiziency syndrom) führen.

Weltweit sind ca. 34 Millionen Menschen von HIV betroffen, so der Stand von 2010, dabei sind Männer öfter betroffen als Frauen. Erstmals beschrieben wurde das HI-Virus von Luc Montagnier und Francoise Barré-Sinoussi im Jahr 1983. Sie dokumentierten die Eigenschaften des HIV Typ 1. Der Ursprung soll laut Studien von Affen ausgehen, womit das Virus die Artengrenze überwunden hat.

Neben dem HIV Typ 1, der am häufigsten bei Menschen nachzuweisen ist, liegt noch ein weiterer, der HIV Typ 2, vor. Sie unterscheiden sich in ihrer Homologie in 50 – 55%. Beide Typen unterteilen sich weiterhin in Subtypen.

Im Krankheitsverlauf und den pathogenen (krankmachenden) Eigenschaften verlaufen sie ähnlich, jedoch verläuft HIV Typ 2 langsamer als der weitverbreitete HIV Typ 1. Das liegt daran, dass HIV Typ 1 mit dem enthaltenden Virusprotein Vpu gleich zwei Infektionsbarrieren der Zelle überschreiten kann.

Youtube: HIV/Aids-Basiswissen 4: HIV-Test und Behandlung www.youtube.com/watch?v=dW8NM4mVGJQ

Übertragung / Ansteckung mit dem HI-Virus

Übertragen wird das HI-Virus durch Körperflüssigkeiten wie Vaginalsekret, Sperma, Muttermilch, Blut und Liquor cerebrospinalis. Dabei sind die Eintrittspforten blutende, frische Wunden, vor allem im Bereich der Schleimhäute wie Bindehaut, Vaginal- und Analschleimhaut. Grade die sensiblen Stellen am Körper wie Eichel, die Innenseite der Vorhaut oder im Bereich des Anus stellen Infektionspforten dar. Kommt es zum ungeschützten Vagnial- oder Analverkehr mit einer HIV-positiven Person hängt die Ansteckungsgefahr auch von der Viruskonzentration in Blut, Sperma und Vagnialsekret ab. Ist der Betroffene erst kürzlich infiziert, so ist die Konzentration noch hoch. Im Verlauf der Krankheit sinkt sie und steigt anschließend wieder an.

Auch die Mehrfachbenutzung von Spritzen im Drogenmilieu kann zu HIV führen. Die Ansteckung durch Oralverkehr, Küssen und die Aufnahme des „Lusttropfens“ ist nahezu ausgeschlossen.

Eine sehr hohe Ansteckungsrate hingegen besteht bei Bluttransfusionen, die das HI-Virus enthalten. Dies ist heutzutage in Deutschland aber praktisch ausgeschlossen, da jeder Spender in einer Routine-Untersuchung auf das HI-Virus getestet wird. Ist eine werdende Mutter infiziert, so kann das Risiko einer Übertragung auf das ungeborene Kind auf bis zu 1-2% mithilfe von antiretroviralen Medikamenten gesenkt werden. Während der Geburt wird das Risiko gesenkt, indem die Ärzte einen Kaiserschnitt durchführen. Damit das Kind sich nicht über die Muttermilch infiziert, muss die Mutter anschließend abstillen. Erfolgen diese Maßnahmen nicht, besteht ein Risiko von 15 – 30% einer Mutter-Kind-Übertragung.

HIV/AIDS - Infizierte Menschen in Deutschland 2010-2012 > Geschätzte Anzahl der mit HIV/AIDS lebenden Menschen in Deutschland in den Jahren 2010 bis 2012 (Quelle: Statista / Robert Koch-Institut)

HIV/AIDS – Infizierte Menschen in Deutschland 2010-2012 > Geschätzte Anzahl der mit HIV/AIDS lebenden Menschen in Deutschland in den Jahren 2010 bis 2012 (Quelle: Statista / Robert Koch-Institut)

HIV-Test durchführen: Arzt, Gesundheitsamt oder AIDS-Hilfe versus Selbst-Schnelltest

Im Falle eines Verdachts sich mit HIV infiziert zu haben, kann man bei Arztpraxen, Gesundheitsämtern oder einer Einrichtung für AIDS-Hilfe einen Test durchführen lassen, siehe auch den Beitrag kürzlich bei T-Online. Hier wird mittels Blutuntersuchung ein Antikörpersuchtest durchgeführt. Da die Verfahren in den letzten Jahren durchweg verbessert wurden, ist nun schon ein Schnelltest möglich. Dieser hat den Vorteil, dass der Betroffene nun nur noch eine Stunde warten muss, bis er ein vorläufiges Testergebnis hat.

Diese Schnelltests werden vor allem für schwule Männern und drogengebrauchende Männern und Frauen angeboten. Dabei wird ihnen, ähnlich wie bei Diabetikern, mittels einer kleinen Nadel ein kaum zu merkender Stich in die Fingerkuppe gesetzt. Danach wird der Blutstropfen auf ein Testfeld gegeben.

Der HIV Schnelltest ist relativ sicher, kann jedoch auch zu falschen negativen wie positiven Ergebnissen führen durch Impfungen oder z.B. Rheumafaktoren. Das Testergebnis des Schnelltest gilt nur als vorläufiges Ergebnis, es muss danach noch eine genaue Blutuntersuchung erfolgen, um das Ergebnis sicher zu bestätigen. Dabei wird dem Patienten eine Blutprobe aus der Armbeuge entnommen und ins Labor geschickt. Dort wird der sogenannte Western-Blot-Bestätigungstest durchgeführt. Das Blut wird auf Proteine des HI-Virus untersucht und bestätigt somit ein positives Ergebnis oder entkräftet es. Die Wartezeit für den Betroffenen beträgt von der Blutentnahme bis zum Ergebnis ca. drei bis vier Werktage.

Die genauste Methode HIV sicher festzustellen ist der PCR-Test. Auch dieser erfolgt über eine Blutentnahme bei einem Arzt und eine darauffolgende Blutuntersuchung im Labor auf spezifisch virale Nukleinsäuresequenzen. Dieser Test dient auch der Ermittlung der Viruskonzentration im Blut einer bereits infizierten Person. Im Gegensatz zu den anderen Tests ist dieser Test der teuerste.

HIV Test: Blutuntersuchung im Labor (© Nenov Brothers - Fotolia.com)

HIV Test: Blutuntersuchung im Labor (© Nenov Brothers – Fotolia.com)

HIV-Schnelltests für Zuhause mittels Wattestäbchen am Zahnfleisch

In den USA sind seit Oktober 2012 auch für Privatpersonen HIV-Schnelltests in Apotheken und einigen Supermarktketten erhältlich. Auch in Deutschland können solche HIV Schnelltests inzwischen über das Internet bestellt werden. Es handelt sich dabei in aller Regel um einen einfachen Test mittels Wattestäbchen, mit dem die Testperson über das Zahnfleisch an Ober- und Unterkiefer entlang streicht und das Stäbchen anschließend in ein Gefäß mit Entwicklerflüssigkeit einführt. Bei der Durchführung muss darauf geachtet werden, dass nur vom Zahnfleisch, jedoch nicht von der Wangeninnenseite, dem Gaumen oder der Zunge die Wattestäbchenprobe entnommen wird. Nach 20 bis 40 Minuten wird mittels Teststreifen angezeigt, ob es sich um ein vorläufig positives oder negatives Testergebnis handelt, ähnlich eines Schwangerschaftstest. Die Kosten für ein Testkit liegen Ende 2013 bei ca. 65 EUR.

Ein Problem bei diesem Schnelltest ist, dass er auf HIV-Antikörper im Speichel reagiert. Diese sind aber erst drei Monate nach der Infektion nachweisbar. Ein vorläufig negatives Testergebnis ist daher nicht aussagekräftig.

Ein weiterer Test, der sich im Internet finden lässt, beinhaltet eine Lanzette, eine Pipette, einen Teststreifen, sowie Entwicklerflüssigkeit. Die Testperson desinfiziert sich vorweg einen Finger mit einem mitgelieferten Desinfektionstuch und sticht anschließend mit der Lanzette in die desinfizierte Fingerkuppe. Mit der Pipette wird der Bluttropfen aufgenommen. Dabei soll die Testperson darauf achten, dass genug Blut aufgenommen wird. Danach gibt sie diesen auf den Teststreifen und gibt zwei Tropfen Entwicklerflüssigkeit hinzu. Nach 15 Minuten kann das Ergebnis abgelesen werden.

Dieser Test ist so einfach durchzuführen wie der oben genannte Schnelltest, jedoch birgt auch er Fehlerquellen. Im Internet gibt es ein Video, das die Durchführung gut beschreibt, jedoch wird vom Benutzer erwartet, dass er die genaue Menge Blut, die nötig ist, abschätzen kann. Desweiteren ist dieser Test mit unsterilen Maßnahmen verbunden. Findet der Benutzer das Video nicht dazu, so ist die Anleitung zum Test auf Englisch, was weitere Unklarheiten hervorrufen kann und somit nicht für jeden Benutzer geeignet ist, um ein sicheres Ergebnis zu erzielen.

In Deutschland wurden diese Angebote bisher wenig durchgesetzt, da es bei der Durchführung der Tests schnell zu Fehlern des Anwenders kommen und somit das Testergebnis verfälscht werden kann. Auch wird die psychologische Belastung der Anwender bedacht, die mit einem vorläufig positiven Ergebnis ohne psychologische Betreuung sehr belastet werden. Die Deutsche AIDS-Hilfe rät mit Nachdruck davon ab sich diese Tests über das Internet zu bestellen. Die ZEIT hingegen berichtete anlässlich des Welt-AIDS-Tages, dass in den USA die Ärzte die Schnelltests für Zuhause trotz aller Bedenken und Nachteile unterm Strich doch befürworten.

Die Schnelltests wurden vor allem für Entwicklungsländer entwickelt, da die medizinische Versorgung und das Angebot einer Blutuntersuchung mittels Labor sehr beschränkt sind. In Deutschland sind die Möglichkeiten einen Schnelltest bei Ärzten, Kliniken oder AIDS-Einrichtungen zu machen sehr groß und können auch anonym durchgeführt werden.

Die angebotenen Schnelltests sind sehr sicher in ihrem Ergebnis, können aber durch die unprofessionelle Durchführung durch die Testpersonen falsche Ergebnisse liefern. Labortechnische Untersuchungen von medizinischem Fachpersonal bieten daher eine größere Sicherheit. Der Kostenaufwand der Untersuchungen liegt bei den Schnelltests zwischen 30 und 70 Euro. Erscheint kein aussagekräftiges Ergebnis, bleiben die Linien auf dem Schnelltest z.B. aus, so muss ein neues Paket bestellt werden. Die Kosten für einen normalen HIV Test bei einem Arzt liegen bei ca. 20 Euro, bei Gesundheitsämtern sind sie meistens kostengünstiger, teilweise auch umsonst und anonym.

Youtube: Oraquick HIV Schnelltest, der oral HIV Heimtest (www.youtube.com/watch?v=HH6c-1WEKUQ)