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Materialunterschiede bei weichen Kontaktlinsen erklärt: Hydrogel, Silikonhydrogel, Hypergel und Co




Im Gegensatz zu harten Kontaktlinsen tragen sich weiche Kontaktlinsen wesentlich angenehmer und das bereits vom ersten Tragen an. Aufgrund ihrer angenehmen Trageeigenschaften werden weiche Kontaktlinsen kaum als Fremdkörper im Auge wahrgenommen. Trotz der Vorteile wie hohem Tragekomfort und gutem Sitz wurde lange Zeit die niedrige Sauerstoffdurchlässigkeit weicher Kontaktlinsen als Nachteil genannt. Dies hat sich inzwischen dank hochmoderner Materialien geändert. Mittlerweile werben die verschiedenen Hersteller mit hochsauerstoffdurchlässigen Materialien wie speziellen Silikonhydrogelen, die hohen Tragekomfort und ein geringes Gesundheitsrisiko versprechen.

Weiche Kontaktlinse aus modernstem Material (© mashe / Fotolia)

Weiche Kontaktlinse aus modernstem Material (© mashe / Fotolia)

Diese Kontaktlinsenmaterialien gibt es aktuell

Heute werden weiche Kontaktlinsen aus unterschiedlichen Materialien angeboten. Diese verfügen über verschiedene Eigenschaften, sodass sie zahlreichen unterschiedlichen Ansprüchen entgegen kommen.

Hydrogel

Die ersten weichen Kontaktlinsen erschienen in den 1970er-Jahren und waren aus Hydrogel gefertigt. Dabei handelt es sich um eine Mischung aus hydrophilen Polymeren und Wasser. Damals verwendete man das Hydrogel Polymacon, heute gibt es zahlreiche weitere Formen wie Methafilcon, Etafilcon, Hioxifilcon A, Hioxifilcon D, Lidofilcon, G72HW und Ultra G, die wesentliche bessere Materialeigenschaften aufweisen als das Ur-Hydrogel Polymacon. Dieses verfügt über eine nur sehr geringe Sauerstoffdurchlässigkeit, was in einigen Fällen zu gesundheitlichen Problemen der Augen führte.

Bei Hydrogellinsen ist auf einen hohen Wassergehalt zu achten, denn je höher dieser ist, desto sauerstoffdurchlässiger ist die Kontaktlinse, da der Sauerstoff durch das in der Linse vorhandene Wasser diffundiert. Da die Flüssigkeit der Linse jedoch zum Verdunsten neigt, kann dies während des Tragens zu trockenen Augen führen.

Nicht alle Hydrogelarten weisen hier jedoch dieselbe Neigung zum Flüssigkeitsverlust auf. Hioxifilcon gilt zum Beispiel als sehr stabil, was den Wassergehalt betrifft. Dieses Material findet man zum Beispiel in der weichen Monatslinse Hydrogel Vision Extreme H2O 59% Xtra. Der DK-Wert von Hydrogellinsen liegt in der Regel zwischen 20 und 30. Die weichen Tages- und Monatslinsen Biomedics sowie Proclear von Cooper Vision bestehen aus dem biomimetischen Hydrogel Omafilcon A und zählen zu den modernen Hydrogellinsen. Sie haben einen Wassergehalt von rund 60 Prozent und einen Dk-Wert von unter 20.

Silikonhydrogel

Als Alternative zu Hydrogel als Material für weiche Kontaktlinsen entdeckte man in den 1990er-Jahren Silikonhydrogel. Dieses Material nutzt die hohe Sauerstoffdurchlässigkeit von Silikon und die dank des hohen Wassergehaltes angenehmen Trageeigenschaften von Hydrogel. Im Gegensatz zu Hydrogellinsen sind Silikonhydrogellinsen umso sauerstoffdurchlässiger, je geringer ihr Wassergehalt ist. Da bei Kontaktlinsen mit niedrigem Wassergehalt auch das Problem der Verdunstung in den Hintergrund tritt, sind weiche Kontaktlinsen aus Silikonhydrogel besonders für Kontaktlinsenträger mit trockenen Augen geeignet.

Silikonhydrogellinsen sind aufgrund ihres niedrigen Wassergehaltes wesentlich steifer und fester als Hydrogellinsen, was sich wiederum negativ auf den Tragekomfort auswirkt und zu mechanischen Reizungen der Hornhaut führen kann. Dem Problem der hydrophoben Oberfläche versuchen die Hersteller durch spezielle Oberflächenbeschichtungen entgegenzuwirken. Neue Materialien wie Comfilcon A, das zum Beispiel bei der weichen Monatslinse Biofinity® von Cooper Vision eingesetzt wird, überzeugen auch ohne Oberflächenbeschichtung durch hohen Tragekomfort. Die Monatslinse Biofinity® ist dank eines DK-Wertes von 128 auch für das Übernachttragen geeignet.

Silkonhydrogellinsen weisen in der Regel DK-Werte von über 100 auf, wodurch sie auch für das Tragen über Nacht geeignet sind. Materialien wie Balafilcon A, Lotrafilcon A, Lotrafilcon B und Senofilcon haben eine besonders hohe Sauerstoffdurchlässigkeit.

Die Air Optix Produkte von Ciba Vision bestehen aus den Materialien Lotrafilcon A (Air Optix Aqua) sowie Lotrafilcon B (Air Optix Night&Day). Letztere sind aufgrund ihrer hohen Sauerstoffdurchlässigkeit von 140 Dk für das durchgehende Tragen von bis zu 30 Tagen und Nächten zugelassen.

Hyaluronhaltige Kontaktlinsen wie die Monatslinse Safe-Gel 30 von Safilens haben besonders feuchtigkeitsbindende und benetzende Eigenschaften (erhältlich u.a. bei www.kontaktlinsen.de). Zudem soll Hyaluron vorbeugend gegen zahlreiche Augenkrankheiten sowie antikarzinogen wirken. Hyaluronhaltige Pflege- und Aufbewahrungsmittel laden die Hyaluronspeicher dieser Kontaktlinsen wieder auf, sodass deren positiven Eigenschaften erhalten bleiben.

Aktuelle Entwicklungen bei Kontaktlinsen-Materialien

Momentan arbeitet die Industrie daran, zahlreiche neue Entwicklungen auf den Markt zu bringen. Zu den vielversprechendsten Materialien zählt Nesofilcon A, auch unter der Bezeichnung HyperGel bekannt, das von Bausch und Lomb für die Biotrue™ ONEday Tageslinsen verwendet wird (siehe www.biotrue.de). Hierbei handelt es sich um ein silikonfreies Hydrogel, dessen Wassergehalt mit 78 Prozent genau jenem der Hornhaut entspricht. Diese neuartige Kontaktlinse soll die besten Eigenschaften von Hydrogel- und Silikonhydrogellinsen in sich vereinen.

Die DAILIES Total1® Linse von Alcon verfügt über einen Silikonkern, der von einer gelartigen, stark wasserhaltigen Oberfläche umschlossen ist.

Die weiche Tageslinse 1Day Acuvue TrueEye besteht aus dem Silikonhydrogel Senofilcon A und überzeugt dank der HYDRACLEAR®-1-Technologie durch besonders hohen Tragekomfort.

Im Großen und Ganzen deutet alles darauf hin, dass auch in Zukunft Silikonhydrogellinsen den Markt dominieren werden. Allerdings wird versucht, Silikon in neuer Form in die Linsen zu integrieren, sodass dessen negative Eigenschaften eliminiert werden können.

YOUTUBE: Biofinity® With Aquaform Technology™ (www.youtube.com/watch?v=o31P4MaKrVk)

Unterschiedliche Materialien erfüllen unterschiedliche Ansprüche

Pauschal lässt sich keinesfalls sagen, dass ein bestimmtes Kontaktlinsenmaterial das Beste ist. Welches Material am besten für einen bestimmten Kontaktlinsenträger geeignet ist, hängt von den individuellen Ansprüchen an die Kontaktlinse und den Lebensumständen ab.

Möchte man seine Kontaktlinsen ausschließlich tagsüber tragen und sind bereits Probleme mit der Kontaktlinsenverträglichkeit bekannt, bieten sich Kontaktlinsen aus einem modernen, hochsauerstoffdurchlässigen Hydrogel an. Diese haben eine bessere Oberflächenbenetzung und verfügen aufgrund ihrer größeren Flexibilität über den höheren Tragekomfort. Weiche Kontaktlinsen aus herkömmlichem Silikonhydrogel haben zwar eine höhere Sauerstoffdurchlässigkeit, tragen sich aufgrund ihrer meist höheren Steifigkeit jedoch nicht so angenehm wie Hydrogellinsen. Die neuesten Produkte auf dem Markt vereinen die positiven Eigenschaften von Hydrogel und Silikonhydrogel. So wird eine hohe Sauerstoffdurchlässigkeit bei hohem Wassergehalt und angenehmem Tragekomfort erreicht. Moderne Silikonhydrogellinsen überzeugen durch gute Benetzungseigenschaften der Hornhaut, ihren positiven Beitrag zum Stoffwechsel am Auge, der Erhaltung eines strahlenden Augenweißes und dem gegenüber Hydrogellinsen geringeren Risiko der Entstehung von Augenerkrankungen.

Hat man vor, die Kontaktlinsen auch über Nacht zu tragen, führt kein Weg an Produkten aus Silikonhydrogel vorbei, da nur diese über eine ausreichende Sauerstoffdurchlässigkeit verfügen. Je nach Grundkonstitution sollte man hier abermals zwischen den einzelnen Silikonhydrogel-Varianten unterscheiden. Materialien mit einem hohen Wassergehalt wie Senofilcon gewährleisten aufgrund ihrer geringen Steifigkeit einen hohen Tragekomfort, während Materialien mit einem geringen Wassergehalt wie Lotrafilcon A besonders für trockene Augen geeignet sind, da sie diese nicht zusätzlich austrocknen. Weiche Kontaktlinsen aus Silikonhydrogel eignen sich daher auch besonders für Kontaktlinsenträger, die ihre Linsen über viele Stunden hinweg tragen und viel Zeit vor dem Computerbildschirm verbringen.

Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass Kontaktlinsenträger, die unter trockenen Augen leiden, darauf achten sollten, zu weichen Kontaktlinsen mit einem niedrigen Wassergehalt zu greifen. Hierbei handelt es sich generell um Kontaktlinsen aus Silikonhydrogel, wobei hier abermals zwischen den einzelnen Materialvarianten differenziert werden muss. Lotrafilcon A ist zum Beispiel besonders hydrophob.
Hat man als Kontaktlinsenträger häufig Probleme mit dem bekannten Fremdkörpergefühl im Auge und dem Tragekomfort von Kontaktlinsen allgemein, sind meist weiche Kontaktlinsen aus Hydrogel die bessere Wahl. Diese tragen sich aufgrund ihres hohen Wassergehaltes besonders angenehm und sind im Auge am wenigsten spürbar. Das Hydrogel Hioxifilcon eignet sich wegen seines geringen Wasserverlustes auch für Kontaktlinsenträger mit trockenen Augen.

Weiche Linse (© mashe / Fotolia)

Weiche Linse (© mashe / Fotolia)

Diese Werte sind bei weichen Kontaktlinsen wichtig

Bei herkömmlichen weichen Kontaktlinsen sind meist Sauerstoffdurchlässigkeit, Durchmesser, Stärke sowie Krümmung angegeben.

Dk – Sauerstoffdurchlässigkeit

Der für die Trageeigenschaften wichtige Wert wird bei Kontaktlinsen in Dk angegeben. Dieser Wert gibt Auskunft darüber, wie sauerstoffdurchlässig das Material, aus dem die Kontaktlinsen gefertigt sind, ist. Hydrogellinsen haben in der Regel einen Dk zwischen 20 und 30, während Silikonhydrogellinsen auf Werte von über 100 Dk kommen.

DIA – Durchmesser (Diameter)

Der Durchmesser einer Kontaktlinse, auch Diameter genannt, wird als DIA-Wert bezeichnet. Der Durchmesser weicher Kontaktlinsen sollte um 0,5 bis 1,0 mm größer sein als jener der Hornhaut. So werden ein hoher Tragekomfort und eine optimale Korrektur der Fehlsichtigkeit gewährleistet. Der passende Kontaktlinsendurchmesser wird von einem Augenarzt oder Optiker bei der Kontaktlinsenanpassung festgestellt. Die Durchmesser handelsüblicher Kontaktlinsen liegen zwischen 13,0 und 15,0 mm.

SPH/PWR, dpt – Stärke

Die Stärke von Kontaktlinsen wird in Dioptrien angegeben. Bei Kurzsichtigkeit steht vor der Zahl ein Minus, zum Beispiel -6,0 dpt. Bei Weitsichtigkeit ist der Zahlenangabe ein Plus vorangestellt, zum Beispiel +6,0 dpt. Augenarzt oder Optiker stellen fest, welche Stärke man benötigt.

BC-Wert – Basiskurve

Der BC-Wert gibt Auskunft über die Krümmung der Kontaktlinse und gibt diese in Millimetern an. Die Krümmung der Basiskurve hängt von der Größe der Augen ab und wird vom Optiker oder Augenarzt bei der Kontaktlinsenanpassung festgestellt. Kleine Augen haben eine steile Basiskurve, große Augen hingegen eine flache. Die Basiskurve bewegt sich in der Regel zwischen 7,0 und 10,0 mm und sollte nicht mehr als 0,2 mm vom festgestellten individuellen Wert abweichen.

Statistik des Tages

Welche Art von Kontaktlinsen tragen Sie? (Quelle: Statista / Typologie der Wünsche)

Welche Art von Kontaktlinsen tragen Sie? (Quelle: Statista / Typologie der Wünsche)