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Nackenschmerzen – jetzt mal genauer: Warum die meisten standardmäßigen Untersuchungen und Behandlungsansätze uns wenig weiterhelfen…




Nackenschmerzen sind ein häufiges Problem und die Betroffenen füllen die Wartezimmer von Hausärzten und Orthopäden, denn statistisch gesehen entwickelt etwa ein Drittel aller Erwachsenen hierzulande im Laufe eines Jahres zumindest Nackenbeschwerden. Meist werden die Beschwerden nur vorübergehend verspürt, können aber auch rezidivierend auftreten und in 5 – 10 % der Fälle chronisch werden. Auch wenn die meisten Patienten eine mechanistische Erklärung für ihre Beschwerden erwarten – Verschleiß in der Halswirbelsäule, Bandscheibenveränderungen – sind die meisten von ihnen organisch gesehen gesund und weisen außer Verspannungen der Nackenmuskulatur keine weiteren krankhaften Veränderungen auf. Die häufigste Ursache dieser unspezifischen Nackenschmerzen ist nämlich – Stress!

YOUTUBE: DW-TV > Nackenschmerzen | Fit & gesund – Interview (www.youtube.com/watch?v=sQMatMAz3J4)

Nackenschmerzen nach Ursache und Dauer

Wie für alle Beschwerdebilder in der Medizin gibt es auch für Nackenschmerzen eine Definition, die sich an den Empfehlungen der International Association fort the Study of Pain orientiert. Demnach werden Nackenschmerzen als Schmerz begriffen, der sich zwischen Hinterkopf und dem oberen Anteil der Brustwirbelsäule abspielt. Die Schmerzen können in Schultern und/oder Arme ausstrahlen und mit Muskelverspannungen und schmerzhaften Bewegungseinschränkungen der Halswirbelsäule einhergehen.

Mediziner benutzen für akute und chronische Nackenbeschwerden verschiedene Ausdrücke: Halswirbelsäulensyndrom (HWS-Syndrom), Zervikalsyndrom, Zervikalgie, Zervikalneuralgie, zervikozephales Syndrom und Zervikobrachialsyndrom.

Nach dem klinischen Verlauf werden die Nackenbeschwerden eingeteilt in:

  • akut: 0–3 Wochen Dauer
  • subakut: 4–12 Wochen Dauer
  • chronisch: > 12 Wochen Dauer
  • rezidivierend: beschwerdefreies Intervall maximal 4 Wochen.

Nackenbeschwerden sind in der überwiegenden Zahl der Fälle auf Störungen im Zusammenspiel von Halswirbelsäule und den angrenzenden Weichteilen, in erster Linie Muskeln, bedingt. Alle Nackenbeschwerden, die auf Störungen im muskuloskelettalen System zurückzuführen sind und denen keine entzündlichen, traumatischen oder tumorösen Prozesse zugrunde liegen, werden als unspezifische Nackenschmerzen bezeichnet.

Bei der klinischen Untersuchung werden bei Patienten mit Nackenschmerzen verhärtete Muskeln getastet, man spricht dann von Muskelhartspann oder Myogelosen. Die Muskelverspannungen bereiten Schmerzen, die vom Nacken in die Schultern ausstrahlen und mit schmerzbedingten Bewegungseinschränkungen des Kopfes einhergehen können. Gelegentlich kann durch diese Muskelverspannungen auch eine Migräneattacke ausgelöst werden.

Chronische Schmerzen - Wahrgenommene Ursachen in Europa > Die Statistik zeigt die Ergebnisse einer Umfrage zu den wahrgenommenen Ursachen von chronischen Schmerzen in Europa aus dem Jahr 2010. Rund 34 Prozent Befragten gaben Nackenschmerzen als Grund für ihre chronischen Schmerzen an. (Quelle: STATISTA / EFIC: Pain Proposal 2010, Seite 8)

Chronische Schmerzen – Wahrgenommene Ursachen in Europa > Die Statistik zeigt die Ergebnisse einer Umfrage zu den wahrgenommenen Ursachen von chronischen Schmerzen in Europa aus dem Jahr 2010. Rund 34 Prozent Befragten gaben Nackenschmerzen als Grund für ihre chronischen Schmerzen an. (Quelle: STATISTA / EFIC: Pain Proposal 2010, Seite 8)

Ursache von Nackenschmerzen bleibt oft ungeklärt

Nicht nur Patienten, auch viele Ärzte haben hinsichtlich der Beschwerdeabklärung bei Nackenproblemen ein starkes Kausalitätsbedürfnis, sodass mit bildgebenden Verfahren wie Röntgenuntersuchungen, Kernspin- und Computertomografie versucht wird, der Ursache auf den Grund zu gehen. In den meisten Fällen läuft die bildgebende Diagnostik jedoch ins Leere, denn selbst wenn degenerative Veränderungen erkennbar sein sollten, kann daraus keinesfalls geschlossen werden, dass sie für die Beschwerden ursächlich sind. Denn viele Menschen haben unter Umständen sogar weit fortgeschrittene Verschleißerscheinungen und Bandscheibendegenerationen im Bereich der Halswirbelsäule, verspüren jedoch keinerlei Beschwerden und bei der ärztlichen Untersuchung können keine Funktionseinschränkungen der Halswirbelsäule festgestellt werden. Akute und chronische Nackenschmerzen bleiben organisch meist ungeklärt und in weniger als einem Prozent der Fälle finden sich tatsächlich Zeichen für eine gefährliche Grunderkrankung.

YOUTUBE: Verspannter Nacken und Rückenschmerz (www.youtube.com/watch?v=liO2oc0xnGc)

Oft spannt die Psyche Muskeln auf die Folter

Es existieren zahlreiche Studien, die sich mit dem Auftreten muskuloskelettaler Beschwerden als psychisch bedingte Symptome beschäftigen. Es wird als gesichert angenommen, dass für die Entwicklung von Nackenschmerzen Risikofaktoren existieren, die im psychosozialen Bereich angesiedelt sind. Gut dokumentiert ist, dass Nackenschmerzen durch Angst, Beunruhigung, Besorgnis, depressive Stimmungslage und chronischen Stress unterhalten und intensiviert werden können.

Zu den beruflichen Auslösern von Nackenschmerzen gehören nicht nur körperliche Faktoren wie Sitzposition, Erschütterungen, Heben schwerer Lasten und übermäßiges Beugen des Nackens, sondern auch die „Stimmung“ am Arbeitsplatz. Zu den Auslösern von Schmerzen durch ungünstige Arbeitsplatzsituationen gehören:

  • fehlender Einfluss auf die Arbeitsbelastung
  • hohes Arbeitspensum
  • mangelndes Teamwork
  • fehlende Weiterbildungsmöglichkeiten
  • fehlende Beteiligung an Planungs- und Entscheidungsprozessen

In der Literatur lassen sich weitere Einflussfaktoren für das Auftreten von Nackenschmerzen finden wie Übergewicht, Schwangerschaft, Lebensalter, Rauchen und die subjektive Gesundheitseinstellung. Depressionen und Ängstlichkeit spielen zudem eine entscheidende Rolle bei der Krankheitsverarbeitung.

Intensive Nackenschmerzen können insbesondere dann, wenn sie immer wieder auftreten oder auch chronisch geworden sind, zu einer schweren psychischen Belastung führen. In der Regel gelten eine hohe Schmerzintensität und bereits früher aufgetretene Nackenschmerzen im Hinblick auf eine Chronifizierung der Beschwerden als prognostisch besonders ungünstig.

Nackenschmerzen (© Klaus Eppele / Fotolia)

Nackenschmerzen (© Klaus Eppele / Fotolia)

Warnsignale eines komplizierten Verlaufs

Auch wenn Nackenschmerzen in den meisten Fällen keine gefährliche Ursache und eine hohe Spontanheilungsrate haben, dürfen die Warnsignale gravierender Erkrankungen nicht übersehen werden. Es ist die Aufgabe des behandelnden Arztes bei folgenden Konstellationen an gefährliche Auslöser der Nackenschmerzen zu denken und eine adäquate Diagnostik und Therapie durchzuführen:

  • Hinweise auf einen Unfall
  • unklares Fieber, insbesondere bei Diabetikern
  • Langzeittherapie mit Cortisonpräparaten
  • unklarer Gewichtsverlust
  • frühere Tumorerkrankungen des Patienten
  • neurologische Auffälligkeiten: Lähmungen, Muskelschwund/oder Sensibilitätsstörungen an den Händen, Gangbildstörungen
  • Bewusstseinsstörungen
  • Osteoporose

In eher seltenen Fällen können Nackenschmerzen auch einfach nur das Symptom einer schwerwiegenden Erkrankung sein. Dazu gehören Osteomyelitis, Abszesse und Blutungen in Rückenmarknähe, Erkrankungen der Halsschlagader, Meningitis, Tumorerkrankungen und natürlich auch komplette Bandscheibenvorfälle, die praktisch immer mit neurologischen Auffälligkeiten einhergehen.

YOUTUBE: Verkürzte Nackenmuskulatur? Machen Sie den Test (www.youtube.com/watch?v=H6at56wVEvs)

Welche Diagnostik ist sinnvoll?

Bei der Abklärung von Nackenschmerzen steht das ärztliche Gespräch an erster Stelle, das bereits erste Hinweise darauf geben kann, ob es sich um unspezifische, d.h. harmlose Nackenbeschwerden handelt und ob gegebenenfalls eine intensive Diagnostik nötig ist. Zur Erhebung der Krankheitsgeschichte gehören:

  • Beginn und zeitlicher Verlauf der Schmerzen, Schmerzintensität
  • Lokalisation der Schmerzen und eventuelle Ausstrahlung
  • Kraftverlust und/oder Sensibilitätsstörungen
  • private und berufliche Situation, Stressfaktoren
  • bereits früher aufgetretene Nackenbeschwerden
  • sonstige Erkrankungen, Medikamenteneinnahme
  • schwerwiegende Krankheitszeichen wie Gewichtsverlust, Fieber, nächtliches Schwitzen
  • Unfall, Gewalteinwirkung
  • Tumorerkrankungen

Anschließend erfolgt die körperliche Untersuchung bestehend aus:

  • Betrachten der gesamten Wirbelsäule (Haltung, Asymmetrien)
  • Abtasten der schmerzhaften Region (Muskelspannung, Schwellungen, Hauttemperatur)
  • Beweglichkeitsprüfung der Halswirbelsäule
  • Untersuchung des Reflexstatus, der Muskelkraft und der Sensibilität an Armen und Händen

Spätestens nach der körperlichen Untersuchung erwarten die meisten Patienten, dass jetzt geröntgt, eventuell sogar eine Kernspin- oder Computertomografie durchgeführt wird. Eine bildgebende Diagnostik ist aber nur dann sinnvoll, wenn sich durch sorgfältige Erhebung der Krankheitsgeschichte und körperliche Untersuchung Hinweise ergeben, dass es sich nicht um ein unspezifisches Problem handelt.

Röntgenuntersuchungen sind als Suchmethode bei Schmerzen nicht angebracht und werden außer bei Vorliegen eines Traumas oder anderer Warnhinweise keinen weiteren Erkenntnisgewinn bringen. Nicht selten führen unnötig angefertigte Röntgenaufnahmen, auf denen eventuell die ersten Verschleißerscheinungen an der Halswirbelsäule erkennbar sind, zu einer Chronifizierung von Nackenschmerzen, obwohl sie nicht auf die degenerativen Veränderungen zurückzuführen sind. Es darf nicht vergessen werden, dass Verschleißerscheinungen an der Wirbelsäule bei einem großen Teil der Bevölkerung in Abhängigkeit vom Lebensalter normal und in diesen Fällen sogar Bandscheibenveränderungen nicht selten ohne jegliche Beschwerden sind.

Die Indikationen der einzelnen bildgebenden Verfahren sehen folgendermaßen aus:

Röntgenuntersuchung

Eine Röntgenuntersuchung ist angebracht nach einem Unfall oder wenn der Patient bereits sehr lange Nackenschmerzen verspürt. Auch der Verdacht auf knöcherne Veränderungen, die im Rahmen einer langjährigen Cortisoneinnahme auftreten können, der Verdacht auf bösartigen Tumorerkrankungen, bekannte Osteoporose oder Rheumaerkrankungen können eine Röntgenuntersuchung rechtfertigen.

Computertomografie (CT)

Eine Computertomografie ist gerechtfertigt, wenn sich bei der neurologischen Untersuchung der Verdacht auf eine Nervenwurzelschädigung (Radikulopathie) oder Schädigung des Rückenmarks ergeben hat. Auch bei einer Nackensteife mit vollständigem Verlust der Halswirbelsäulenbeweglichkeit kann das CT zur Klärung beitragen.

Kernspintomografie (NMR)

Die Kernspintomografie ist indiziert, wenn neurologische Symptome relativ frisch aufgetreten sind oder aber unter einer adäquaten Therapie nicht rückläufig sind. Auch der Verdacht auf eine Nervenwurzelschädigung, Tumorbildung, Entzündung oder Blutung kann durch das NMR weiter abgeklärt werden.

Bei unspezifischen Nackenschmerzen bringen die bildgebenden Verfahren keine Erkenntnisse, die für die Durchführung der Behandlung relevant sind. Sinnvoll sind sie nur, wenn Warnsymptome bestehen, die den Verdacht auf eine gravierende Grunderkrankung aufkommen lassen. Besteht der Verdacht auf eine entzündlich bedingte Ursache der Nackenschmerzen, sind zusätzlich zur bildgebenden Diagnostik Blutuntersuchungen erforderlich.

Therapie bei unspezifischen Nackenschmerzen

Obwohl die meisten Nackenschmerzen innerhalb weniger Wochen von selbst wieder verschwinden, suchen rund 40 % der Betroffenen nicht zuletzt auch wegen der Heftigkeit der Beschwerden ihren Hausarzt auf, von denen wiederum 30 % zu einem Spezialisten überwiesen werden. Erwartet wird eine rasche, effektive Linderung der Beschwerden. Die Frage ist nur, wie, denn die meisten Therapieformen beim „steifen Hals“ sind in ihrer Wirksamkeit entweder nur dürftig oder überhaupt nicht belegt.

Zu den gängigen Therapieempfehlungen bei Nackenschmerzen gehören neben der Verordnung von Schmerzmitteln auch die Behandlung mit TENS-Geräten, Infiltrationen, Ultraschall, Akupunktur, Kurzwellenbestrahlungen, Chirotherapie, Physiotherapie, manuelle Therapie und die klassische Massagebehandlung.

Allein schon die Vielfalt der empfohlenen Behandlungsmaßnahmen lässt vermuten, dass es nicht so ganz einfach ist, den Nackenschmerzen beizukommen, denn nahezu alle Maßnahmen stellen eine auf rein biologische Ursachen fixierte Herangehensweise dar: Schmerzen werden mit Nadelstichen und Elektroschocks behandelt, verhärtete Muskeln sollen durch Kneten wieder weich werden und angeblich verhakte Halswirbel werden mit roher Gewalt gerade gerückt. Die praktizierten Maßnahmen, die von vielen Patienten auch gefordert werden, führen in vielen Fällen zu eher bescheidenen Erfolgen, stattdessen werden eine Fixierung auf Medikamente und chronische Verläufe begünstigt. Bei der Nackenschmerztherapie sollte stattdessen nur eins im Vordergrund stehen: die Aktivierung des Patienten.

Statistik: Die häufigsten Krankheiten von Berufstätigen in Deutschland 2008 > Im Jahr 2008 klagten 61,6 Prozent der Berufstätigen über Nackenschmerzen. (Quelle: STATISTA / Bild)

Statistik: Die häufigsten Krankheiten von Berufstätigen in Deutschland 2008 > Im Jahr 2008 klagten 61,6 Prozent der Berufstätigen über Nackenschmerzen. (Quelle: STATISTA / Bild)

Nackenschmerztherapie – selbst ist der Patient!

Unter dem Gesichtspunkt, dass unspezifische Nackenschmerzen sehr häufig durch psychosoziale Umstände ausgelöst und unterhalten werden, sollten Patienten intensiver in die Behandlung ihrer Nackenschmerzen einbezogen werden, statt sie in eine passive Rolle zu drängen, die daraus besteht, die geschluckten Medikamente und einen Physiotherapeuten auf sich einwirken zu lassen.

Vielmehr geht es darum, den Patienten zu aktivieren, seine private und berufliche Situation zu überdenken und nach dauerhaften Stressfaktoren zu suchen. Empfehlenswert ist daher auch das Erlernen von Entspannungstechniken und eines guten Stressmanagements. Viele Patienten sind schon beruhigt, wenn ihnen die Harmlosigkeit von unspezifischen Nackenschmerzen erklärt und die Zusammenhänge von Krankheitsentstehung und -verarbeitung erläutert wird.

Voraussetzung für eine Aktivierung des Patienten ist natürlich eine gute analgetische Therapie, die es dem Patienten ermöglichen soll, seine gewohnten Aktivitäten möglichst bald wieder aufzunehmen.

Medikamentöse Behandlung des schmerzenden Nackens

Spezielle Schmerzmittel gegen Nackenschmerzen existieren nicht, in vielen Fällen sollen aber bereits frei verkäufliche Präparate wie Paracetamol oder Ibuprofen anschlagen. Nicht selten wird auch die Einnahme von „Muskelweichmachern“ empfohlen, deren Wirksamkeit auf eher wackligen Beinen steht. Die Präparate enthalten in der Regel Tetrazepam, ein Wirkstoff, der valiumähnliche Effekte hat und zu Müdigkeit und einer Einschränkung des Reaktionsvermögens führen kann, weshalb viele Betroffene die Einnahme von vorneherein ablehnen oder das Medikament nach wenigen Tagen wieder absetzen.

Reichen die gängigen Schmerzmittel nicht aus, können zusätzlich schwach wirksame Opiate eingenommen werden, die allerdings rezeptpflichtig sind. Oft fragen Patienten nach Injektionen in die schmerzhaft verspannten Nackenmuskeln. Die einzigen Injektionen, deren Wirksamkeit durch Studien belegt werden konnte, sind intramuskuläre Lidocaininjektionen, aber auch nur dann, wenn sie mit Dehnungsübungen gekoppelt wurden. Da das in der Regel nicht der Fall ist, verpufft die Wirkung des Lidocains und die Schmerzen bleiben bestehen.

Statistik: Körperliche Leiden der Deutschen > Die Statistik zeigt die Ergebnisse einer Umfrage zur Art der Schmerzen, unter denen Männer und Frauen in Deutschland leiden vom Juni 2008. Demnach litten rund 70 Prozent der befragten Frauen unter Rücken-, Nacken- und/oder Schulterschmerzen. (Quelle: STATISTA / TNS Healthcare)

Statistik: Körperliche Leiden der Deutschen > Die Statistik zeigt die Ergebnisse einer Umfrage zur Art der Schmerzen, unter denen Männer und Frauen in Deutschland leiden vom Juni 2008. Demnach litten rund 70 Prozent der befragten Frauen unter Rücken-, Nacken- und/oder Schulterschmerzen. (Quelle: STATISTA / TNS Healthcare)

Nicht medikamentöse Therapien

Obwohl es für die Wirksamkeit vieler nicht medikamentöser Maßnahmen bei Nackenschmerzen keinen Beleg gibt, kann es in Ausnahmefällen sinnvoll sein, unbedenkliche physikalische Therapien durchzuführen, die der Patient als hilfreich empfindet oder mit denen er bereits bei früheren Schmerzattacken gute Erfahrungen gemacht hat.

Massagen

Nicht wenige Patienten fragen nach Massagen, die als einzige Maßnahme durchgeführt allerdings eher zu einer Chronifizierung der Beschwerden führen. Daher wird empfohlen, sie allenfalls in Kombination mit weiteren Maßnahmen zu verordnen.

Physiotherapie

In der Kombination mit einer manuellen Therapie soll die Physiotherapie bei leichten oder chronischen Nackenschmerzen wirksam sein, laut Studienlage allerdings nur für einen Zeitraum von drei Monaten. Bei schmerzhaft eingeschränkter Nackenbeweglichkeit soll die postisometrische Relaxation helfen, bei der ein Muskel zunächst gegen Widerstand angespannt wird. Lässt der Patient dann wieder locker, kann der Therapeut den Muskel schmerzfrei dehnen. Mehrfach hintereinander durchgeführt soll das Manöver den Bewegungsspielraum der Halswirbelsäule verbessern.

Manuelle Therapie

Zur manuellen Therapie gehören die Manipulation und Mobilisation, mit denen eine Blockierung und die dadurch bedingte Beweglichkeitseinschränkung der Halswirbelsäule wieder aufgehoben werden soll. Bei der Manipulation erfolgt das durch ruckartige Bewegungen, die der Therapeut zum Beispiel mit dem Kopf des Patienten ausführt. Die Mobilisation soll gegen Bewegungsblockaden helfen, indem sie durch wohldosierte gegenläufige Dehnungen aufgehoben werden. Beide Maßnahmen gehören in erfahrene Hände, denn bei unsachgemäßer Anwendung kann beispielsweise ein klinisch stummer Bandscheibenvorfall zu einer überaus bösen Überraschung führen. Daher sind auch nicht alle Patienten mit Nackenschmerzen für die manuelle Therapie geeignet, deren Wirksamkeit in Studien nur in der Kombination mit Physiotherapie nachgewiesen werden konnte.

Akupunktur

Die Studienlage für die Wirksamkeit der Akupunktur gegen Nackenschmerzen ist dürftig. Eine allenfalls geringe Wirksamkeit konnte bei chronischen Nackenschmerzen nachgewiesen werden, allerdings fehlen Erkenntnisse darüber, wie lange diese Wirkung anhält.

Elektrotherapie

Elektrische Muskel- oder Nervenstimulation, zum Beispiel mit einem TENS-Gerät, kann nicht empfohlen werden, da ihre Wirkung durch qualitativ einwandfreie Studien bisher nicht untersucht worden ist.

Lokale Wärme

Eine lokale Wärmeanwendung, zum Beispiel mit einer Wärmflasche, verbessert die Blutzirkulation der Haut und ist sicher für viele Patienten hilfreich.

Sportliche Aktivitäten

Muskelaufbautraining soll einen positiven Effekt auf Nackenschmerzen haben. Obwohl der Einfluss von Sport auf die Linderung von Nackenschmerzen bisher nicht eingehend untersucht worden ist, wird dennoch bei leichten und chronischen Formen von unspezifischen Nackenschmerzen ein regelmäßiges Ausdauertraining in Kombination mit Dehnungsübungen empfohlen. Regelmäßige körperliche Betätigung soll darüber hinaus auch einen gewissen vorbeugenden Effekt haben.

Entspannungsverfahren

Insbesondere bei chronischen Nackenschmerzen sollen Entspannungsverfahren wie zum Beispiel die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson helfen, mit den Schmerzen besser umgehen zu können. Bei chronischen oder häufig auftretenden unspezifischen Nackenschmerzen soll auch von einer verhaltenstherapeutischen Behandlung profitiert werden, damit Hektik und Stress nicht immer wieder zu einem steifen Hals führen.

YOUTUBE: Übungen gegen Nackenschmerzen / Nackenverspannung
(www.youtube.com/watch?v=VL86Wl24FIs)